AG „Geschichte“ erinnert an den 50. Jahrestag der Niederschlagung des „Prager Frühlings“

1968 wollte unser Nachbarland, die damalige CSSR, einen „Sozialismus mit menschlicherem Antlitz“ einführen. Die Wirtschaftsreformen, Pressefreiheit und eine vorsichtige Öffnung nach dem Westen stießen vor allem bei der östlichen Führungsmacht, der Sowjetunion, auf Widerstand. Am 21.08.1968 marschierten Truppen des Warschauer Pakts im heutigen Tschechien ein und schlugen die Reformbewegung nieder. Was hat Plauen damit zu tun? In Plauen waren sowjetische Streitkräfte stationiert, die mit Panzern und Militärfahrzeugen in Richtung tschechischer Grenze ausrückten und an der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ teilnahmen. Die Mitglieder der AG „Geschichte“  führten gemeinsam mit dem Stadtarchiv am 21.08.2018 ein Zeitzeugentreffen im Klubkeller durch, bei dem die Gäste ihre Erinnerungen an die damaligen Ereignisse schilderten.  Die Schüler hatten liebevoll eine Kaffeetafel mit selbst gebackenem Kuchen gedeckt. In diesem ansprechenden Ambiente kam man schnell ins Gespräch. So erzählte Frau Homrichhausen, dass Anwohner in der Nähe der sowjetischen Kaserne in Neundorf schon Aktivitäten mitbekam. So wurden die russischen Militärfahrzeuge mit weißen Streifen versehen. Herr Töllner berichtete von seinen Erinnerungen bei den DDR-Grenztruppen. Er wurde nach Eichigt verlegt, wo für die Wehrpflichtigen erhöhte Alarmbereitschaft bestand. Unter den jungen Männern verbreitete sich Angst, da keiner wusste, was passieren sollte.  Herr Hager beobachtete am Wartburgplatz in Plauen die durchfahrenden russischen Militärkonvois, denen später NVA folgte.  Herr Zeidler war mit einer Klasse auf Exkursion in der Jugendherberge am Aschberg. Hier war es wichtig, über die mitgebrachten Kofferradios die Nachrichten zu empfangen. Der ehemalige Lehrer erinnerte sich, dass die Wälder in seinem Heimatort Mehltheuer gesperrt waren, weil dort Reservetruppen stationiert waren. Herr Thomser wollte sich selbst ein Bild machen von den Veränderungen und reiste damals nach Prag, wo er beeindruckt war von der Offenheit, aber auch vom Warenangebot, das ihm fast westlich erschien. Für die Schüler, die diese Zeit nicht erlebten, trugen die anschaulichen Berichte zum besseren Verständnis der Ereignisse um den „Prager Frühling“ bei.   Die AG bedankt sich herzlich bei Herrn Uhlig vom Stadtarchiv für die Unterstützung und bei den Gästen für ihre interessanten Schilderungen.

H. Schreyer