Im Rahmen eines Theaterbesuchs haben die 10. Klassen das Stück „Doktormutter Faust“ am Theater Plauen-Zwickau gesehen. Es handelt sich dabei um eine moderne Interpretation des klassischen Faust-Stoffes, in der die Hauptfigur als Frau dargestellt wird: Dr. Margarete Faust, eine angesehene Professorin für Gender-Studies. Ihr Leben gerät jedoch aus dem Gleichgewicht, als öffentlich wird, dass sie einer Studentin heimlich eine Abtreibung finanziert hat. Ihr beruflicher und persönlicher Status beginnt somit zunehmend zu zerfallen, da sie in einer Dystopie lebt und nicht in einer Demokratie.
In dieser Krisensituation tritt Mephisto in ihr Leben, mit dem sie in Anlehnung an Goethes Vorlage einen Pakt eingeht. Im weiteren Verlauf wird jedoch deutlich, dass Dr. Faust zunehmend die Kontrolle über ihr Handeln verliert und moralische Grenzen überschreitet.
Diesbezüglich haben auch viele Schüler in einer Ausstauschrunde Kritik geäußert. Kommentare wie „zu überspitzt“, „schwer zu verstehen“ oder „zu politisch aufgeladen“ waren nur einige. Besonderer Kritikpunkt war hierbei der politische Hintergrund, welcher während des Stückes zu sehr in eine rechts-links Abgrenzung geführt hat. Dies wurde von vielen Schülern als eingebaute Richtlinie gesehen, welche den Jugendlichen oder den Zuschauern zu offensichtlich eine Denkweise vorschreibt oder moralisierend den Zeigefinger erhob. Gefühlt wurden zu viele „Probleme“ ins Stück getragen (Flüchtlinge, Abtreibung, rechte Regierung, autoritärer Staat). Und dabei wollten wir doch nur den „Faust“ sehen… 😉 Auch bemängelten viele Schüler die sexistischen Darstellungen in manchen Szenen, die Verführung oder auch Hexentanzplatz darstellen sollten.

Positives Feedback galt bei dieser Aufführung besonders stark den Schauspielern, welche ihre Charaktere uns als Zuschauern sehr nahebringen konnten und eine hohe schauspielerische Leistung durch die Doppelrollenbelegung gezeigt haben. Außerdem gab es noch für das Bühnenbild und die ähnlich zum Urtext gebliebenen Szenen ein Lob, da durch diese das Stück etwas leichter zu verstehen war.
Besonders eindrücklich war die Darstellung des Machtmissbrauchs gegenüber einem Studenten (bei Faust gegenüber Gretchen). Dadurch wurde deutlich, wie sehr sich eine Persönlichkeit im Laufe des Stücks verändert und auf eine Katastrophe zusteuert.
Aber Theater ist ja dazu da, zu übertreiben, zum Denken anzuregen und zu diskutieren. Dies ist mit dem Stück auf jeden Fall gelungen.

Text: Anna R., Kl. 10a, Bilder: André Leischner, Theater Plauen-Zwickau
