Das Theaterstück „Prima Facie“ – „Vertraue dir selbst nie, wenn du glaubst, dass du Recht hast.“

Am 16.01.2026 besuchte unser Jahrgang 11 die Kleine Bühne des Theaters Zwickau-Plauen. Das Thema des Theaterstücks „Prima Facie“ war die Justiz und ihre Stellung gegenüber der Vergewaltigung von Frauen. Dieses zugleich hochaktuelle und bedrückende Stück beschäftigte viele Schüler/-innen nachhaltig, wie die anschließenden Diskussionen im Deutschunterricht zeigten. Daher wollen wir hier ganz verschiedene Blickwinkel in den Mittelpunkt stellen:

Der Titel heißt „Prima Facie“, was auf Deutsch „auf den ersten Blick“ bedeutet und vor Gericht verwendet wird, um zu zeigen, dass ausreichende Beweise für eine Forderung vorliegen. Es widerspricht sich in dem Fall, aber ich glaube, die Ironie soll zeigen, dass nicht alles bewiesen werden kann und genau das ist das Problem. Was mich persönlich sehr beeindruckt hat, war, wie die Schauspielerin allein auf der Bühne stand und in einem stundenlangen Monolog in verschiedene Phasen des Lebens der Protagonistin Tessa schlüpfte. Unglaublich, wie man so viel Text auswendig lernen kann. Auch die minimalistische Bühnengestaltung faszinierte mich: Es gab nur eine graue Holzkonstruktion mit Schließfächern, die einen einem Schrank ähnlich war. Die Darstellung von Emotionen war so faszinierend, dass ich mich in die Situation der Hauptfigur hineinversetzen konnte. Ein Satz ist mir nach der Vorstellung in Erinnerung geblieben: „Vertraue dir selbst nie, wenn du glaubst, dass du Recht hast.“. Ich empfehle sehr, dieses Theaterstück zu besuchen. – Angelina K.


Kristin Heil spielt die Protagonistin Tessa. Tessa ist eine junge und erfolgreiche Anwältin, die vor allem Sexualstraftäter vor Gericht verteidigt. Die Wahrheit interessiert sie nicht, bis sie selbst Opfer einer Vergewaltigung wird und auf der anderen Seite im Gerichtssaal steht.

Das gesamte Stück ist emotional und sehr ergreifend. Es ist untypisch mit solchen Tabuthemen, wie Vergewaltigung, direkt auf der offenen Bühne konfrontiert zu werden. Die hervorragende Schauspielleistung von Kristin Heil sorgte dafür, das man jede Emotionalität und jedes Gefühl auch als Zuschauer deutlich spüren konnte, insbesondere in den prekären Situationen, wie während des Gerichtsprozesses oder der Vergewaltigungstat. Hier lief einem ein kalter Schauer über den Rücken. Allgemein fühlte ich mich das gesamte Stück über sehr beklommen.

Trotz der inhaltlichen Schwere des Stücks, halte ich es für ungemein wichtig, solche Probleme unserer Gesellschaft offen darzustellen. Man müsste meinen, in einer so modernen und gebildeten Welt sollte es Maßnahmen und Wege geben, die Sexualstraftäter angemessen zu bestrafen und Frauen den Schutz zu bieten, den sie benötigen. Stattdessen sind dieselben Probleme wir vor Jahrzehnten immer noch an der Tagesordnung und Frauen müssen regelrecht vor Gericht kämpfen für ihre Rechte und meist nützt dies ebenfalls nichts. Das in dem Stück dargestellte Problem bezieht sich hierbei vor allem auf unser Rechtswesen; eine Institution, die für Recht und Gerechtigkeit sorgen sollte. Wie sehr wir heutzutage noch in einem Patriarchat verankert sind, wird klar gezeigt durch den dargestellten Gerichtsprozess, dessen Maßnahmen zur Verurteilung oder Freisprechung des Täters nicht auf wirklich moralischen, fairen und wahren Grundwerten den Frauen gegenüber beruhen. Immer noch leben wir in einem System, das „von Männern für Männer“ gemacht ist, oder noch besser „von Tätern für Täter“.

Doch genau darum ist es so wichtig für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu kämpfen und für Aufklärung zu sorgen, wie eben mit diesem Theaterstück. Denn manchmal ist es wichtig, die Gesellschaft mit der schweren Realität zu konfrontieren, um Veränderung zu bewirken. – Marlen Z.


Das Schauspiel „Prima Facie“ stellt eine der Problematiken unserer heutigen Rechtsprechung erschreckend aktuell dar. Durch die Darstellungsweise der Schauspielerin Kristin Heil kann man sich in die Gefühle und Gedankenwelt der Protagonistin, auch als männlicher Jugendlicher, hineinversetzen und diese nachvollziehen. Und dieses ist kaum zu ertragen. Es ist schwer nachzuvollziehen und zu verstehen, wie es sein muss, in einem Vergewaltigungsfall aussagen zu müssen. Das Stück lässt den Zuschauer in Fassungslosigkeit zurück, über das, was dieser unschuldigen Frau passiert ist. Das Stück präsentiert die Sicht einer Frau bzw. eines weiblichen Zeugen auf einen bzw. auf ein System, welches von Männern für Männer gemacht wurde. Die Tatsachen / die Wahrheit werden einer juristischen Wahrheit untergeordnet. Dieses Stück präsentiert in 90 Minuten, dass eine Frau keine Chance hat in unserem Rechtssystem für die Verurteilung eines Vergewaltigers zu sorgen, trotz Anzeige und eindeutiger Beweise. – Paul K.


Das Ein-Personen-Stück „Prima Facie“ der britischen Dramatikerin Suzie Miller feierte 2019 seine Uraufführung und hat seitdem international große Resonanz erfahren. Es erzählt die Geschichte der erfolgreichen Juristin Tessa, die sich nach einer eigenen Gewalterfahrung vor Gericht wiederfindet und dadurch das Rechtssystem aus einer völlig neuen Perspektive erlebt. Das Stück arbeitet kunstvoll heraus, wie juristische Konstruktionen und gesellschaftliche Wahrnehmungen von Sexualstraftaten oft den Betroffenen wenig Schutz bieten und fordert eindringlich Reformen für mehr Gerechtigkeit.

Szenisch überzeugt „Prima Facie“ durch seine energetische Erzählweise: Die Schauspielerin Kristin Heil trägt den Abend allein und wechselt zwischen zahlreichen Rollen und Tonlagen, wodurch die Herausforderungen und emotionalen Umschwünge der Hauptfigur für das Publikum unmittelbar erfahrbar werden. Wir, die Schülerinnen und Schüler der Deutschkurse der Jahrgangsstufe 11 erlebten eine intensive Darstellung, die mit wenigen Requisiten und klarem Bühnenbild starke Bilder schafft.

Inhaltlich gelingt es dem Stück, gesellschaftlich relevante Fragen nach Recht, Macht und Geschlecht offen zu legen. Es basiert auf juristischer Recherche und aktuellen Diskussionen zu sexualisierter Gewalt, was die Argumentation authentisch und fundiert macht.

„Prima Facie“ ist kein einfaches Theater, sondern forderte uns emotional und intellektuell heraus. Es schrie förmlich danach, im Deutschkurs weiterführende Gespräche zu führen. Die provozierende Klarheit des Stücks regte dazu an, über eigene Vorstellungen von Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit nachzudenken. Damit leistet „Prima Facie“ einen wichtigen Beitrag zur aktuellen gesellschaftlichen Debatte und setzt Zeichen für mehr Sensibilität im Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt. – Fr. Reinsch (Kurslehrerin LKDe2)

Alle Bilder: André Leischner, Theater Plauen-Zwickau